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Gesellschaftssystem im Wandel

© Raimar Ocken, Berlin (2007)

Metamorphose

Wenn wir uns mit dem Zustand unseres Landes befassen, dann müssen wir davon ausgehen, dass es sich auch bei Staaten um lebende Systeme handelt. Um lebende Systeme verstehen zu können ist es notwendig, sich selbst als lebendes System zu begreifen und die Wechselwirkungen mit dem Gesamtsystem zu berücksichtigen. Systemische Psychologie, Chaosforschung, Epigenetik und neuere Forschungsergebnisse der Verhaltensphysiologie und Neurologie liefern uns Hinweise. Da akademische Wissenschaften allerdings Teil des Systems sind, reichen ihre Erkenntnisse nicht aus, um wirklich fundamental etwas verändern zu können. Letztendlich ist es notwendig, das System zu verlassen, um es in seiner Komplexität erkennen und daraus herleitend behandeln zu können. Quasi über den Dingen, dem System, schweben und mit scharfem Auge beobachten wie ein Adler, ist für die Behandlung Voraussetzung. Es genügt nicht, nur mit dem Verstand zu erfassen, was geschieht, sondern wir müssen zwei andere wichtige Aspekte mit einbeziehen: unsere Emotionalität und den Wunsch nach (zwischenmenschlicher) Begegnung.

Bevor ich mich etwas weiter in die Materie vertiefe, gilt es für den einen oder den anderen Leser ein paar "Vokabeln" zu lernen:

Wenn wir (unser) Leben unter physikalischem Blickwinkel betrachten, dann können wir sagen, dass Pulsation die Grundform des Lebendigen ist. Pulsation beinhaltet das mehr oder weniger gleich-mäßige Auf und Ab, die Zu- und Abnahme eines Geschehens. Auf unser Land bezogen lassen sich unter diesem Blickwinkel bestimmte Entwicklungsabschnitte beschreiben, die primär von einem Auf und Ab gekennzeichnet sind. Diese Abschnitte werden von Ökonomen in Form dreier Wellentypen beschrieben: a. kurze Wellen (Kitchinwellen) von etwa 2 Jahren Dauer, mittellange Wellen (Juglarwellen) von 7 bis 11 Jahren und die nach dem russischen Ökonomen Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew (1892 - 1938) benannten langen Wellen (Kondratjew- oder Kondratieffwellen) von 50 bis 60 Jahren.
Stellen wir uns für die nachfolgenden Überlegungen vor, dass es sich bei diesen Wellen um im Mittel harmonische Sinuswellen handelt. Wenn wir von einem 60 Jahre dauernden Zyklus ausgehen, dann gestaltet sich dieser folgendermaßen: beginnend auf einer horizontalen Nullachse erfolgt als erstes ein bogenförmiger aufsteigender Abschnitt von 15 Jahren, gefolgt von einem absteigenden Teil, der wiederum 15 Jahre dauert. Hier hat die Kurve wieder die Nullachse erreicht. Der dritte Abschnitt, dauert ebenfalls 15 Jahr und ist absteigend, gefolgt vom letzten und vierten Teil, der wieder aufsteigend ist und an der Nullachse endet. Er dauert ebenfalls 15 Jahre. Somit vergehen vom Höhepunkt bis zum Tiefpunkt 30 Jahre.
Fangen wir in der Fastgegenwart an und legen das zuletzt vergangene Hoch auf die Zeit der deutschen Wiedervereinigung und den Zerfall des kommunistisch regierten Ostblocks, also etwa auf 1989. Gehen wir einen Zyklus zurück, dann sind wir bei der Machtergreifung Hitlers, also etwa im Jahre 1933, noch weiter zurück, beim Krieg Preußens gegen Frankreich (1870) und davor beim Russlandfeldzug Napoleons und dem sich daraus ergebendem Ende seiner Herrscherzeit (1812-14). Aber die Vergangenheit vor 1989 soll uns hier nicht weiter interessieren. Schauen wir nach vorne.

Wann erwarten wir das nächste (Super-)Tief? - Etwa 2020 <<<

Im Einigungsvertrag zwischen Ost- und Westdeutschland wurde festgelegt, dass der Westen dem Osten durch Überlassung von Fördermitteln beim Aufbau der Volkswirtschaft behilflich ist. Der damalige Kanzler Helmut Kohl hatte mit blumigen Worten besonders den Menschen im Osten unseres Landes eine kurze Angleichungsphase von 3 bis 5 Jahren zugesagt, bis das Westniveau erreicht sein würde. Und weil der Traum des goldenen Westens von vielen Bürgern zu der Zeit noch intensiv geträumt wurde - sie wollten die Wahrheit nicht hören -, haben die meisten von ihnen dem Kanzler unkritisch vertraut. Nun ist es allerdings an der Zeit, dass auch die letzte Schlafmütze die Augen öffnet und erkennt, dass die Wiedervereinigung wirtschaftlich gesehen ein Flopp war, weil der versprochene Aufschwung ausbleibt und sich statt dessen der Abschwung verstärkt. Die Fördermittel werden ab 2008 allmählich abgebaut, d.h. sie werden kontinuierlich gesenkt, und bis 2020 bei null zu sein. Da der Osten bis dahin nicht in der Lage sein wird, für sich selbst zu sorgen: gute Nacht, Marie!

Unsere Superpleite entsteht nicht nur dadurch, dass uns das nächste Tal eines Kondratieffzyklusses ins Haus steht, sondern weil uns zusätzlich um 2010 das nächste Hoch einer Juglarwelle trifft, so dass sich anschließend die Abwärtsbewegungen beider Wellen potenzieren. Zurzeit erleben wir das Tief dieser Juglarwelle: In Nordrhein-Westfalen verliert die SPD die Landtagswahlen. Der "Vertrag über eine Verfassung für Europa" - wir müssen uns dieses Wortgebilde auf der Zunge zergehen lassen - geht nur halbseiden über die Bühne. Europa wackelt. Am 29.05.2005 entscheiden sich die Bürger Frankreichs mehrheitlich gegen den Vertrag. Wahrscheinlich hätten sich die Menschen in Deutschland schon eher ähnlich entschieden, wenn man sie gelassen hätte.
Der nachfolgende Anstieg wird durch die neue Bundesregierung erfolgen. Auch sie wird die deutsche Misere nicht umkehren, sondern letztlich den sozialen Ausverkauf auf die Spitze treiben. Das Ergebnis davon ist der anschließende große Frust der Wählerschaft, weil das alte Kartenspiel keine Trümpfe mehr enthält. Und was machen wir dann mit "der braunen Gefahr" und dem Anstieg der Kriminalität?

Zu den oben genannten von Ökonomen beschriebenen drei Zyklen kommen letztlich zwei weitere Zyklen hinzu: a. die Kapitalismuswelle und b. die Naturwissenschaftenwelle. Beide gehen miteinander in etwa Hand in Hand und sind wie alles andere auch: endlich. Ich gehe allerdings bei diesen Wellentypen nicht von einer Sinuskurve aus, sondern eher von einer Tsunamiwelle: steiler Erstanstieg, langer aufbauender Mittelzyklus, steiler Abfall. Die Kapitalismuswelle hatte ihren Höhepunkt etwa um 1970, während der Höhepunkt der Naturwissenschaftenwelle in den 1990er Jahren lag. Beider Abstieg (besser: Absturz) trägt ebenfalls zur Superpleite bei.

Immer mehr Menschen stellen fest, dass weder Kapitalismus die beste Wirtschaftsform, noch Demokratie, wie wir sie kennen, die beste Gesellschaftsform ist und die so genannten Naturwissenschaften nur ihr Verständnis von der Welt, aber nicht das Weltverständnis vermitteln.

Nachwort (2020)

Dieser Artikel - den Titel habe ich aktuell verändert - ist aus meiner Sicht als Ganzheitsmediziner (Psycho-Somato-Ökologe) entstanden. Als ich das Buch: "Der sechste Kondratieff: Wege zur Produktivität und Vollbeschäftigung im Zeitalter der Information" von Leo A. Nefiodow (Rhein-Sieg Verlag, Januar 2007) gelesen hatte, kam mir die Idee: Man kann das auch anders sehen. Ich habe die positiven und negativen Punkte des Zeitgeschehens anders gewichtet und bin somit zu einem anderen Endergebnis gelangt. Das hast du grade gelesen und erlebst es täglich.